XL600LM (F) 1985 -> Restauration

  • Hallo liebe Leute,


    Nach kleinem Wink eines Mitglieds des Forums, dass bebilderte Restaurationgeschichten einer XL hier gern gesehen sind, werd ich meine Erfahrungen mit euch teilen und freu mich über jeden Kommentar. Sei er positiv oder als Kritik konstruktiv vorgebracht. Ich bin immer dankbar :-)


    Also, Ausgangsbasis der Geschichte ist meine frisch ersteigerte XL600LM(F) aus 1985 (EZ 1987). Die Anzeige bei der Auktion war folgend:


    'Die gegenständliche Enduromaschine wurde bis vor wenigen Jahren vom Besitzer gefahren und dann stillgelegt. Mit etwas Zuwendung lässt sich das Motorrad wieder in einen guten Zustand bringen'.


    Auf Basis dieser Beschreibung sparte ich mir eine mögliche Besichtigung der XL vor Gebotsabgabe. Wäre auch ca. 200km Fahrt gewesen.


    Auf der einen Seite wäre ein Vorab-Besichtigung gut gewesen, denn dann hätte mich die Überraschung beim Abholen nicht gar so kalt erwischt.

    Auf der anderen Seite, hätte ich die XL vielleicht nicht ersteigert, wenn ich den tatsächlichen Zustand gekannt hätte.


    Ich freu mich im Endeffekt aber sehr, dass ich sie habe und gehe deshalb frohen Mutes ans Werk :-)


    Nun zum aktuellen Zustand vor Restauration:


    Die Gute wurde nicht vor wenigen Jahren stillgelegt, sondern definitiv einfach irgendwo im nirgendwo abgestellt und 'vergessen'. Die Plakette war von 1998 und ich denke man kann erahnen, wann das gute Stück das letzte Mal wirklich gelaufen ist.


    Auf den ersten Blick sieht man defekte Blinker inkl. gebrochener Halterungen, eine Vorderradbremse bei der man ins Leere greift, eine Hinterradbremse die immer bremst, einen Gaszug der sich zwar schwer, aber doch bewegen lässt, gebrochener Choke-Hebel, steckender Choke-Zug (Zusammenhang? :S), einen großen Tank, bei dem ca. 5mm dicker Lack abblättert und darunter sehr tief fressender Rost zum Vorschein kommt, einen stark verwitterten vorderen Kotflügel, gebrochene Seitendeckel, einen gebrochenen und außen mit Tesa - innen mit was-auch-immer geklebten Deckel des Luffi-Kastens, eine stark verrostete Auspuffanlage, Reifen, die nicht mehr aus Gummi zu bestehen scheinen usw....


    Auf der Haben-Seite stehen intakte Gabelsimmeringe (das ist ein echtes Wunder), gute Felgen, eine Kupplung, die sich ohne Probleme ziehen lässt, ein Motor, der offensichtlich trocken ist und mit angeschlossener Fremdbatterie auch dreht, insofern auch ein funktionierender Starter, ein augenscheinlich funktionierender Deko-Mechanismus, und eine Elektrik, die am 'Dashboard' zumindest irgendetwas anzeigt (zumindest leuchten Lämpchen, wenn Strom fließt :)).


    Meine ersten ToDos werden jetzt mal folgende sein:


    - Ich wasche den gröbsten Dreck mal runter

    - ich beginne systematisch mit dem Abbau diverser Teile, um die XL mal im Detail kennen zu lernen.

    - Ich beginne mich mal schlau zu machen, wo es Ersatzteile gibt, die ich brauchen kann.


    Ich hab mal einige Fotos attacht, die den Zustand der Guten ersichtlich machen.


    Weitere Fotos und Infos folgen, nach der nächsten nächtlichen Session in der Werkstatt :)


    Schönen Sonntag Abend noch an Alle und die linke Hand zum Gruße

    Volker






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  • Gebrochene Dekorteile (Kotflügel, Seitenteile) sind bei den karren keine sonderheit. Die Kunststoffe sind Recht empfindlich und viele Modelle wurden in ihrem Leben viel draußen geparkt.

    Seitendeckel aus GFK (nach Geländeumfällen viel einfacher zu reparieren) gibt's von perfect-fairings, Kotflügel vorn findet man sicher einen gut passenden von UFO oder Acerbis für Modelle wie die sehr ähnliche xr 600.

    Blinker gibt's wohl im nachbau auch mit e aus prc. Habe an meiner lm so led dinger vom großhandel, an der RM glücklicherweise noch gute originale.


    Du scheinst nicht unerfahren und die Karre ist grundsätzlich Recht komplett.

    Auspuff sieht bei einem vierzig Jahre altem Motorrad häufig so aus, Strahlen oder Bürsten und Kaminlack drauf.


    Gibt ein paar Dinge, die am Motor nach so langer Standzeit sinnvoll sind. Zum einen prüfen, dass die Ölleitung vom Rahmen zur Motorpumpe nicht zu geknickt ist (ein bisschen ist normal)

    Außerdem sollte beim rfvc der Kurbelwellendichtring im Seitendeckel sowie der o-ring von der ölpumpe zum Ölfilter gewechselt werden. Olschrauben in der Steigleitung Orientierung prüfen. Eine ist silber, die andere schwarz.


    Vor allem solltest du vor Startversuchen überprüfen, dass auf jeden Fall Öl am Kopf ankommt. dazu die obere Hohlschraube in der Steigleitung losnehmen, Motor von hand oder per e-starter durchdrehen, bei Ölfluss schraube mit ca. 10 Nm anziehen. Nicht übertreiben. Dass Alu der Motoren ist weich.

    '87er XL 600 LM "Gustav"

    '86er XL 600 RM

  • Moin,


    schönes Projekt, ich bin gespannt wie das Teil fertig aussieht! Der weiße Kettenschutz is auch weg gebrochen.


    Gruß Thorsten 8)

  • Der Seitenständer muß auf selbsteinklappend umgebaut werden, natürlich mit den zwei Federn.

    Viel Spaß beim Schrauben. Die Teileversorgung der defekten Teile wird sicher nicht einfach aber lösbar. Mit etwas Geduld und Liebe wird das sicher ein Hingucker.

  • Musst du sogar in D, weil die Gummilösung bei der HU durchfällt.

    Vg S

    Hinweis für Allergiker: Meine Postings können Spuren von Humor und vereinzelte Rechtschreipfehler enthalten.

  • da liegt bei mir noch ein neuer XL Seitenständer rum (originalverpack) mit einklappfeder etc. (leider für die Xl500R) wenn die länge stimmt könnte es passen.


    Gruss Peter

  • Uii - das klingt doch sehr gut. Der meinige (Ständer an der XL!!! :)) ist ja arg mitgenommen und müsste geschliffen und lackiert werden.


    Ich denke es ist Zeit für ne PM :-)


    lg

    Volker

  • Ein kurzes Update von der Restauration:


    Ich habe gestern Abend weiter gemacht, die XL gewaschen, weiter zerlegt, diverse Schäden inspiziert und viel gelernt :-)


    Ich habe vor einigen Jahren eine Suzuki DR500 aus 1987 restauriert und es ist erstaunlich, wie viele Teile ähnlich oder gleich als bei der XL gebaut wurden. Das hilft :)


    Folgende Dinge sind aktuell mal erwähnenswert:


    1. Der Deckel des Luftfilterkastens ist leider Schrott. Gibts sowas noch irgendwo oder gibts vielleicht eine Vorlage für einen 3D Druck oder sollte ich mir da selbst was bauen?


    2. Beim Zerlegen der Vorderradbremse kamen Kolben zum Vorschein, die aus meiner Sicht auch nicht mehr gut sind. Einer davon ist definitiv angerostet und sollte so nicht mehr verbaut werden. Im Internet gibt's viele Reparatursätze für die Vorderbremse. Welcher taugt was? Ist das Ganze speziell für die XL600LM oder geht da auch was von PD03 oder RM?


    3. Bei der Demontage des Krümmers kam zum Vorschein, dass einer der Vorgänger 2 der Gewindebuchsen am Zylinder gegen normale Schrauben getauscht hat. Eine der Schrauben lies sich entfernen. Die zweite ist total festgebacken (Alu <> Eisen). Ich hab sie mit ordentlich Rostlöser behandelt und lass das jetzt mal einwirken. Ich befürchte aber, wie damals bei der DR500 auch, dass ich die Schraube nicht mehr rausbekomme. Alternativlösung wäre, den Schraubenkopf zu entfernen, auf den Schraubenrest eine Gewindemuffe aufzuschrauben und zu verkleben, das Loch in der Spannvorrichtung entsprechend zu weiten, und dann das Ganze mit neuer Schraube wieder zu verbauen. So hab ichs damals gemacht und das hat eigentlich super funktioniert. Mal sehn was passiert :)


    4. hinteres Federbein sieht sehr gut aus! Mit dem hätte ich nicht gerechnet und bin positiv überrascht. Keine Auffälligkeiten bzw. auch kein Ölverlust feststellbar. Auch die Schraube für die Zugstufendämpfung lässt sich schön drehen. Ich denke das kann ich einfach reinigen und wieder einbauen :-)


    5. Ich habe auch Schwinge und Umlenkung ausgebaut, aber noch nicht weiter inspiziert. Da werden wohl die Lager fällig sein, nehme ich an. Kann man die Lager im Satz beziehen und welche sind empfehlenswert oder muss man hier einzeln suchen?


    6. Der Zustand des Krümmers und vor allem des Original-Auspuffs ist auch entsprechend schlecht. Der Krümmer ist am Übergang zum Endtopf durchgerostet. Der Endtopf bei der Aufnahme des Krümmers auch entsprechend tot. Gibt es für Krümmer und Endtopf vernünftige Alternativen mit denen ihr Erfahrungswerte habt? Von ABP gab es doch mal Edelstahlkrümmer mit größerem Durchlass. Macht das Sinn oder bringt das nix?


    Bei der nächsten Session werd ich mich an die Front der XL durchkämpfen und Gabel, Maske, Armaturen usw. abbauen. Auch da ist ja einiges kaputt (Blinkerhalter usw...).


    Ich halt euch weiter am Laufenden und bedanke mich schonmal für eure Hilfe bzw. Tipps!!


    lg

    Volker


    PS: Die Fotos hab ich während der Aktion gemacht. Also nicht wundern, wenn die Fotos nicht ganz zum Text oben passen :-)



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  • Hallo Volker,

    kurz der Reihe nach:

    1. Würde ich mit einem Stück Kunststoff flicken, verschwindet ja hinter dem Seitendeckel.

    2. Keine Ahnung

    3. Black Magic o.ä. Rostlöser plus Hitze sollten helfen.

    4. Sicherheitshalber Dämpfung nach WHB checken.

    5. Komplette Überholungskits gibt's z.B. von All Balls. Von 500 bis 650ccm sind sie praktisch identisch, also auch XR600 und XR650L checken.

    6. Leiro liefert die Krümmer nach wie vor. ESD wird schwieriger. Kein legaler Aftermarket-Topf ist so gut wie das Original. Da hilft nur Suchen.

    Vg S

    Hinweis für Allergiker: Meine Postings können Spuren von Humor und vereinzelte Rechtschreipfehler enthalten.

  • Moin,


    zu 2, PD03 Bremsenteile passen garnicht! LM/RM ist beides PD04 und gleich! Vorsicht beim Graben im Netz, PD04 wird seltener angeboten, war zumindestens früher so!?
    Deckel für den Luftfilterkasten müsst ich noch haben , kann ich später kucken….


    Gruss Thorsten :tanz:

  • Vielen Dank für die Antworten!


    Dass die Bremskolben (zumindest der eine) kaputt sind, hat sich sehr schnell gezeigt. Der Kolben war im Zylinder angerostet und das ist auch jener mit den Spuren der Zange (im Foto der obere Kolben). Der Zweite war gut gängig im Zylinder und ging auch ohne Probleme raus. Ich denke trotzdem dass ich beide tauschen werde.


    Am meisten Sorgen macht mir momentan die festgegammelte Krümmer-Schraube im Zylinder. Rostlöser hab ich schon. Hitze wäre ein Heissluftfön oder gar ne Lötlampe direkt auf die Schraube? Mach ich da nix kaputt rund um den Bereich?


    lg

    Volker

  • Die Bremskolben drückt man mit hydraulisch aus dem Bremssattel, wenn die Bremsanlage noch befüllt ist, da wird nichts beschädigt. Selbst wenn es mal schwergängig geht. Der Kolben wäre rettbar gewesen. Schade drum. Bei Problemen lohnt es im Forum zu fragen. Es wird mit Tipps geholfen.

    Ich hatte genau die gleichen Probleme. Die Bremskolben habe ich mit der Fettpresse über einen selbst gebauten Adapter ohne Schäden herausgepresst.

  • Die Bremsanlage war bereits ohne Funktion (die Pumpe ging leer durch), als ich die XL abgeholt habe. Deshalb hätte das so nicht funktioniert (außer mit Adapter plus Fettpresse; was ne gute Idee ist)


    Ich weiß , worauf du hinauswillst (es gibt sicher schonendere Wege die Kolben aus dem Zylinder zu bekommen), wobei ich den angerosteten Kolben sicher nicht mehr eingebaut hätte. Da hätt ich wohl kein gutes Gefühl gehabt. Die Oberfläche ist zerstört und der Rost mehrere Zehntel in die Beschichtung gefressen.


    In der Zwischenzeit habe ich einen Reparatursatz inkl. Kolben bestellt und freu mich schon aufs weiterbasteln.


    Schönen Abend an alle

    Volker

  • Zitat

    Hitze wäre ein Heissluftfön oder gar ne Lötlampe direkt auf die Schraube?

    Zweiteres, aber vor allem auf den Kopf gerichtet. Heißluftföhn reicht nicht. Der Rostlöser ist mehr, um nichts unversucht zu lassen. Die Hitze ist das Entscheidende.

    Vg S

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  • Zweiteres, aber vor allem auf den Kopf gerichtet. Heißluftföhn reicht nicht. Der Rostlöser ist mehr, um nichts unversucht zu lassen. Die Hitze ist das Entscheidende.

    Vg S

    Also es geht darum, alles rund um die Schraube zu erhitzen, damit sich das Material dehnt und im besten Falle die Schraube freigibt und sie sich leichter lösen lässt? -> nur für mich zum Verständnis.


    lg